Wenn alte Wunden die Kommunikation mit Ihren Eltern unmöglich machen

Familienstreit: Wenn alte Wunden die Kommunikation mit Ihren Eltern unmöglich machen

Meine Klientin hatte eine irre Wut im Bauch: „Gerade eben haben wir noch lautstark diskutiert. Für jeden hörbar, denn wir standen im Flur. Ich war vor Wut fast den Tränen nahe, weil mein Vater einfach nicht verstehen wollte, worum es mir ging. Und noch bevor wir in die Nähe einer Lösung kamen, ist er einfach gegangen. Weg war er. Ist ins Auto gestiegen und weggefahren. Und ich konnte schauen, wie ich das Problem löse. Mensch, so geht das doch nicht. Und so was nennt sich Chef und Vater. So kann man doch nicht zusammenarbeiten!!!“

Obwohl die Situation schon drei Monate zurücklag, zitterte immer noch die Stimme meiner Klientin, als sie mir davon erzählte. Weil das bei ihr fast an der Tagesordnung und eine Klärung mit ihrem Vater einfach nicht möglich war. Das Problem mit dem Kunden konnte sie damals lösen, das mit ihrem Vater nicht.

Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?

Wenn Sie als Nachfolger mit Ihrer Familie zusammenarbeiten, kennen Sie sicher auch solche oder ähnliche Situationen. Nicht nur, dass solche Krisen für Sie frustrierend und nervenaufreibend sind. Solche Eskalationen bringen keinen der Beteiligten weiter.

Im Gegenteil.

Die Fronten verhärten sich und im schlimmsten Fall sind die Zusammenarbeit und die Zukunft Ihres Familienunternehmens in Gefahr.

Aber das muss nicht sein.

Wie finden Sie neue Wege und nutzen Sie solche Situationen zu Ihrem Vorteil?

Wie entwickeln Sie daraus neue innere Stärke, Klarheit und Gelassenheit? Und bauen Sie ganz nebenbei auch noch Ihre Kommunikationsfähigkeiten aus?

Hier gleich 3 Ideen für Sie:

1. Stimmen Sie der Situation zu: Es gibt ein Grund dafür!

Auch wenn Sie selbst es nicht gut finden, so wie es ist: Ihre Reaktion ist verständlich und völlig in Ordnung. Die Emotionen dürfen da schon mal hochkochen. Wichtig ist, dass Sie sich dafür nicht verurteilen. Denn es gibt einen guten Grund, warum Sie so in Wallung kommen. Hilfreich ist das nicht, aber es gibt Ihnen wertvolle Hinweise für einen Lösungsweg.

2. Was genau ist eigentlich passiert? Selbstreflexion bringt Klarheit

Wenn Sie immer wieder in die gleiche Stress-Situation kommen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Was genau passiert? Was hat Sie so in Wallung gebracht? War es das Familienoberhaupt selbst? Das, was er gesagt hat? Wie er es gesagt hat? Was ärgert Sie daran so maßlos? Was macht Sie wütend oder verzweifelt? Bewusstsein bringt Klarheit ins Tohuwabohu.

3. Ihre Eltern können Sie nicht mehr ändern, aber sich selbst!

Sie können an Ihrem Gegenüber noch so sehr herumzerren, es wird nichts bringen. Erst recht nicht, wenn es Ihre Eltern sind. Also lassen Sie es sein, kümmern Sie sich um sich selbst. Es sind Ihre Emotionen, die hier reaktiviert werden. Schauen Sie das Thema dahinter an und lösen Sie es.

Das ist einfacher, als es auf den ersten Blick erscheint

Die Ursache für die Wut meiner Klientin lag ein bisschen zurück. Aber nachdem wir die alte Verletzung verarbeitet hatten, war sie in ihren Gesprächen wesentlich klarer und lies sich nicht mehr so leicht aus der Fassung bringen. Und ihr Vater lernte die Grenzen seiner Tochter kennen und akzeptieren.

Kategorie Elternkonflikte, Familienunternehmen
Marita Eckmann

Marita Eckmann kommt selbst aus einer Unternehmerfamilie und kennt die emotionalen Herausforderungen von Junioren in Familienunternehmen aus eigener Erfahrung. Heute bietet sie Nachfolgerinnen und Nachfolgern in Familienbetrieben eine umfassende Beratung, um den eigenen persönlich erfüllenden Lebensweg zu finden.