Vorsicht: Offene Familienstreitigkeiten verunsichern Ihre Mitarbeiter

„Am schlimmsten war es, wenn Ihr miteinander gestritten habt!“, so vertraute mir erst viel später eine langjährige Mitarbeiterin unseres Familienunternehmens an. „Das Geschrei, die Wutausbrüche, die Tränen. Das war am Anfang ganz fürchterlich für mich. Ich habe erst mit der Zeit begriffen, was hier eigentlich los ist und dass das für Euch völlig normal ist“.

Kennen Sie in Ihrem Familienunternehmen auch solche explosiven Stimmungen?

Da wird geschrien und getobt, was das Zeug hält. Von wüsten Beschimpfungen bis zu tränenreichen Dramen ist so ziemlich alles dabei. Und das alles vor den Augen der Mitarbeiter.

Keine Frage: Wenn Sie mit der Familie arbeiten, sind solche Auseinandersetzungen völlig normal. Mehrere Generationen mit unterschiedlichen Ansichten, da bleiben Streitereien gar nicht aus. Es geht ja darum, gemeinsam das Unternehmen in die Zukunft zu führen. Da darf – ja muss! – alles auf den Tisch.

Aber bitte nur hinter verschlossenen Türen!

Solche hoch emotionalen Dramen beunruhigen Ihre Mitarbeiter, vergiften die Atmosphäre und torpedieren die erfolgreiche Zusammenarbeit. Und wenn Sie Pech haben, vergraulen Sie damit auch noch die besten Kräfte aus Ihrem Unternehmen.

Übernehmen Sie Vorbildcharakter – gerade als zukünftiger Chef. Diese drei Schritte helfen Ihnen dabei:

1. Analysieren Sie: Woher kommt eigentlich die „explosive“ Familienstimmung?

Familien mit Unternehmen ticken anders als normale Familien. In der Firma besprechen Sie private Probleme und am Frühstückstisch diskutieren Sie über die Firma. Kein Wunder, dass es in der Firma auch mal ordentlich knallt. Was in der Familie nicht geklärt wird, entlädt sich eben im Büro. Dort, wo es nicht hingehört.

2. Sensibilisieren Sie Ihr Frühwarnsystem

Erkennen Sie rechtzeitig, wann es „brodelt“: Wann hat es bei Ihnen zuletzt so richtig gekracht? Versuchen Sie sich mal daran zu erinnern. Wann war das? Wo war es? Worum ging es und was genau ist passiert? An welcher Stelle des Gesprächs hat sich das Thema entzündet?

In der Regel sind es immer dieselben Muster: Einer will recht haben, der andere will sich nichts sagen lassen usw. Manchmal genügt ein falsches Wort und der andere flippt aus. Egal, was es bei Ihnen ist, beobachten Sie und finden Sie das „Konfliktmuster“.

3. Sie müssen nicht alles gut finden – aber verstehen

Es gibt den schönen Satz „Verstanden heißt nicht einverstanden“. Das bedeutet, dass ich den anderen verstehen kann, ohne gut zu finden, was er sagt. Verstehen ist immer möglich. Zumindest wenn Sie sich darum bemühen.

Denn ganz ehrlich:

Es geht hier nicht um Sie. Es geht auch nicht um Ihre Eltern. Es geht um die Firma und ein Problem, das eine Lösung braucht. Nicht mehr und nicht weniger. Lenken Sie ein, versuchen Sie zu verstehen und halten Sie den Fokus auf das Wichtigste: Die Lösung.

Ich weiß, das ist nicht immer einfach …

Deshalb noch ein Tipp aus meiner langjährigen Beratungspraxis: Verlassen Sie die Kind-Rolle, in die man als Junior so verdammt leicht rutscht. Begegnen Sie Ihren Eltern als Erwachsener und auf Augenhöhe.

Sie werden sehen: Ihre neue Klarheit entlastet nicht nur die Kommunikation mit der Familie. Sie wird Ihnen auch bei der Mitarbeiterführung wertvolle Dienste leisten.