Meine Schreibcoach Anna stellte mir eine Frage, die ich tagelang nicht anfassen wollte: Was macht es mit dir, wenn du alles vergisst, was du übers Bloggen gelernt hast?
Ich schob sie weg, denn sie verwirrte mich völlig. Stattdessen entwickelte ich eine Schreib-Challenge und beschäftigte mich mit allem Möglichen – nur nicht mit ihr.
Denn ich wusste irgendwie, dass ich den Boden unter den Füßen verlieren würde, wenn ich mich wirklich auf sie einlasse.
Ich hatte Angst davor, und dann ist es passiert: Als ich einen Moment lang aufhörte, dagegen anzukämpfen, kam die Frage zu mir. Immer näher und näher. Und ich fiel – nicht dramatisch, eher leise – in etwas hinein, das ich nur als Leere beschreiben kann. Keine Konzepte. Keine Regeln. Kein „So macht man das“.
Orientierungslosigkeit. Stille.
Und dann, ganz langsam: Raum.
In diesem Raum tauchten zwei Fragen auf, die ich vorher nie wirklich zugelassen hatte:
Warum möchte ich schreiben – und worüber?
Meine ehrliche Antwort: Ich weiß es nicht so recht.
Und das war seltsam befreiend. Denn solange ich Konzepte, Themenideen und Veröffentlichungstermine hatte, musste ich mir diese Frage nie stellen. Die Struktur hat sie für mich beantwortet.
Jetzt, ohne sie, war nur noch ich übrig.
Was ich in dieser Stille gefunden habe, kenne ich eigentlich schon. Es ist ein Zustand, der entsteht, wenn ich ganz alleine und ganz bei mir bin. Ich bin dann wie in einer Art Blase – alles Äußere verschwindet, ich bin vollständig im Moment. Präsent. Fast wie eine Trance.
Alles scheint wichtig. Und gleichzeitig ist alles unwichtig.
Und aus diesem Zustand heraus entstand eine neue Antwort – keine, die ich geplant oder erarbeitet hatte.
Sondern eine, die einfach da war: Vielleicht muss ich gar nicht wissen, worüber ich schreiben will. Vielleicht reicht es, dass ein Gedanke da ist – einer, der so stark in mir resoniert, dass ich ihm folgen möchte. Weil er Fragen stellt. Weil er mich neugierig macht.
Das hat nichts Strategisches und es lässt sich erst recht nicht planen. Es ist ein Erforschen. Ein Ergründen. Ein Bei-mir-Sein. Nicht schreiben, um etwas zu erreichen – sondern schreiben, weil etwas da ist.
Einfach losgehen. Ohne Ziel, ohne Route, ohne zu wissen, wohin die Reise geht.
Vielleicht ist genau das das Neue.
Vielleicht kennst du das auch – dieses Festhalten an dem, was du gelernt hast.
Die Regeln, die Strukturen, die Erwartungen. Sie geben Sicherheit. Aber manchmal stehen sie auch zwischen dir und dem, was wirklich da ist. Was wäre, wenn du sie – nur für einen Moment – zur Seite legst?
Nicht für immer, nur als kleines Experiment. Als Einladung in die Stille.
Was zeigt sich, wenn du den Lärm des Gelernten leiser drehst?













