Wie oft habe ich mir schon vorgenommen, es dieses Mal „richtig“ zu machen. Ein Ziel sauber nach der SMART-Methode auszuarbeiten, konkret zu formulieren – um dann hoch motiviert zu starten.

Und um es am Ende, trotz klarer Strategie, schon nach kurzer Zeit wieder aus dem Blick zu verlieren.

Ich fand das immer enorm frustrierend. Zurück blieb meist das Gefühl: Mit mir stimmt etwas nicht.

Das Spannende daran: Ich bin kein Einzelfall. Ganz vielen geht es ähnlich. Woran das liegt, möchte ich dir heute erklären. Denn nicht jedes Ziel eignet sich für die SMART-Methode – und genau das ist der Grund, warum sich manche Ziele damit erreichen lassen und andere nicht.

SMART ist nicht das Problem

Die SMART-Methode ist für viele Ziele hervorragend geeignet. Wenn du ein Ziel hast, bei dem dir die nötigen Fähigkeiten bereits zur Verfügung stehen und du auf eigene Erfahrungen oder die Erfahrungswerte anderer zurückgreifen kannst, funktioniert SMART oft sehr gut.

Ein klassisches Beispiel: Du läufst bereits regelmäßig und hast dich entschieden, an einem Marathon teilzunehmen. Du kennst das Laufen, du weißt, wie Training funktioniert, du kannst dir Trainingspläne anschauen, Distanzen steigern und Zeiten messen.

Das Ziel ist klar, der Weg ist bekannt, die Variablen sind überschaubar. Hier helfen Struktur und Planung – und SMART funktioniert hier tatsächlich sehr gut.

Wenn wir Entwicklungsziele mit Leistungszielen verwechseln.

Das Problem entsteht dort, wo diese Logik auf eine völlig andere Art von Ziel übertragen wird.

Ziele, bei denen wir uns verändern und innerlich wachsen müssen, um sie zu erreichen, sind keine reinen Umsetzungs- oder Leistungsziele.

Es sind Entwicklungsziele.

Das sind die Ziele, bei denen wir erst zu der Person werden müssen, die am Zielpunkt steht. Und genau hier stößt die SMART-Methode an ihre Grenzen. Denn bei dieser Art von Zielen, wissen wir zu Beginn oft nicht:

  • wie der Weg verlaufen wird
  • welche Fähigkeiten wir noch entwickeln müssen
  • welche inneren Blockaden und Hindernisse auftauchen werden
  • wann wir eine Verarbeitungspause brauchen
  • wo wir feststellen, dass wir einen anderen Weg nehmen müssen
  • wie sich der Zielzustand überhaupt anfühlen wird

Wenn Ziele unsere Gewohnheiten, Verhaltensweisen, Überzeugungen und unsere Identität berühren, können wir uns den Zielzustand oft noch gar nicht wirklich vorstellen. Uns fehlt schlicht die Erfahrung und Vorbilder helfen hier nur bedingt.

Die größte Unbekannte in diesem Prozess sind – neben dem Weg – wir selbst.

Und deshalb lassen sich solche Ziele nicht sinnvoll nach der SMART-Methode planen.

Ein persönliches Beispiel für ein Entwicklungsziel

Ein gutes Beispiel dafür ist meine Schreib-Challenge. Schon vor der Blogpause im August hatte sich mein Schreiben verändert. Ich war müde von all den Schreibkonzepten, die ich gelernt hatte. Die Motivation war weg, und ich hatte das Gefühl, über alles Wichtige bereits geschrieben zu haben.

Erst im Rückblick verstand ich, wie sehr mich die intensiven Transformationsprozesse der letzten Jahre verändert hatten. Kein Wunder also, dass vieles nicht mehr passte.

Ich wollte weg von den alten Schreibgewohnheiten und neue entwickeln.

Um ein Momentum zu schaffen, nutze ich eine kleine Challenge, die ich bewusst an meine Bedürfnisse angepasst habe. Ganz anders, als man Challenges normalerweise gestaltet.

Hätte ich dieses Ziel nach SMART definieren können? Sicher. Formal hätte es alle Kriterien erfüllt.

Aber ich kenne mich: Ein streng definiertes Ziel setzt mich unter Druck und tötet meine Kreativität. Vermutlich hätte ich die Challenge genau deshalb gar nicht erst begonnen.

Warum Zeitdruck Entwicklungsprozesse blockieren kann

Bei Entwicklungszielen erzeugt eine Terminierung oft einen enormen inneren Druck. Nicht, weil jemand undiszipliniert ist, sondern weil wir den Prozess nicht zuverlässig einschätzen können.

Ich wusste zum Beispiel nicht, ob mich eine Schreibblockade zum Stillstand bringen würde (ja, hat sie) oder wie sich mein Alltag entwickeln würde (anders, als geplant).

Beim Marathon-Beispiel wäre das so, als würdest du plötzlich bei konstant 35 Grad laufen – oder quer durch den Wald, fernab befestigter Wege.

Entwicklung verläuft nicht linear. Sie lässt sich nicht in Konzepte pressen.

Das Leben kommt dazwischen und innere Reifung braucht Zeit. Sie braucht Pausen, Umwege und manchmal auch Stillstand. Wird ein Entwicklungsziel fest terminiert, entsteht schnell ein innerer Konflikt: Ich soll etwas versprechen, von dem ich weiß, dass ich es nicht vollständig kontrollieren kann.

Viele Menschen brechen an diesem Punkt innerlich ab – noch bevor sie wirklich begonnen haben.

Deshalb ist es so wichtig, genau hinzuschauen und sich nicht von Erfolgen anderer verleiten zu lassen. Mir ist das immer wieder passiert und es hat mich enorm frustriert.

Wir alle sind einzigartig – und so einzigartig sind auch unsere Wege zum Ziel.

Die Zukunft muss man in sich selbst aufbauen, lange bevor sie eintritt. Rainer Maria Rilke

Motivation entsteht durch Commitment – nicht durch Termine oder Messbarkeit

Motivation bei Entwicklungszielen entsteht nicht durch Messbarkeit oder Deadlines.

Sie entsteht durch eine klare Entscheidung und ein inneres Ja zu einem Prozess. Durch Neugier und den Wunsch, etwas verändern zu wollen.

Aus meinen eigenen Entwicklungsprozessen weiß ich, dass sich das Leben danach oft leichter und stimmiger anfühlt. Diese Erfahrung nährt meine Motivation. Oft treibt mich die Neugier an – auf das, was ich entdecken kann – und auf mein neues Ich.

Es ist ein Gefühl von: Das ist mir jetzt wichtig – auch wenn ich noch nicht weiß, wohin es genau führt.

Kleine Anmerkung am Rand: Solche Prozesse alleine zu durchlaufen, ist schwierig. Denn wir gehen dabei leicht unseren unbewussten Mustern auf den Leim. Deshalb habe ich immer Menschen an meiner Seite, die mich begleiten. Manchmal sehr intensiv, manchmal punktuell oder temporär. Genau dort, wo ich alleine nicht weiterkomme oder auch mal eine emotionale Unterstützung brauche.

Der entscheidende Unterschied: der experimentelle Raum

Wenn das Ziel klar ist, die Zeit aber offen bleiben darf, entsteht etwas Entscheidendes: ein experimenteller Raum.

Ein Raum, in dem Entwicklung möglich ist. In dem Fehler erlaubt sind. Ein Raum, in dem Scheitern nicht als Versagen gilt, sondern als ein wichtiger Teil des Weges.

Genau in solchen Räumen passieren echte Veränderungen.

In Räumen, in denen ich ich selbst sein darf. Genau so, wie ich bin.

Warum es nicht dein Fehler ist, wenn SMART nicht funktioniert

Viele interpretieren ihr Scheitern an SMARTen Zielen als persönliches Defizit. Dann heißt es schnell, man habe zu wenig Disziplin oder Entschlossenheit – erst recht, wenn man sich mit anderen vergleicht.

In Wahrheit ist der unbewusste Widerstand oft ein sehr gesundes Signal.

Ein Hinweis darauf, dass hier versucht wird, einen inneren Entwicklungsprozess mit einer äußeren Steuerungslogik zu führen.

Blockaden, scheinbare Undiszipliniertheit, Orientierungslosigkeit oder das Gefühl, nicht anfangen zu können, sind in solchen Fällen kein Scheitern.

Sie sind oft ein Zeichen dafür, dass etwas in Bewegung kommt, das nicht über Kontrolle wächst, sondern über Bewusstsein.

Ein neuer Blick auf Ziele

Ziele, die unsere Persönlichkeit, unsere Identität, unsere Art zu sein verändern, brauchen etwas anderes als perfekte Formulierungen:

  • Commitment statt Termine
  • Prozess statt Prognose
  • Resonanz statt Kontrolle

Das bedeutet nicht, dass wir aufhören sollten, uns Ziele zu setzen. Es bedeutet nur, sie ihrer inneren Logik entsprechend zu behandeln.

Wenn du merkst, dass du mit bestimmten Zielen immer wieder an der SMART-Methode scheiterst, liegt das sehr wahrscheinlich nicht an dir.

Sondern daran, dass du versuchst, einen Entwicklungsprozess wie ein reines Umsetzungsprojekt zu behandeln.

Und vielleicht ist genau diese Erkenntnis der erste Schritt in eine neue, stimmigere Art, mit deinen Zielen umzugehen – jenseits der bekannten Konzepte.