Ich bin völlig verwirrt. Im Buch steht ganz genau, wie ich vorzugehen habe. Aber ich kann es nicht verstehen und noch nicht einmal denken – geschweige denn umsetzen. Ich bin davor, alles hinzuschmeißen.

Glücklicherweise weiß ich inzwischen, was das bedeutet.

Es gibt diese Momente, in denen ich vor einer Aufgabe sitze und mein Kopf einfach dichtmacht. Meine Gedanken drehen sich im Kreis, ich starre auf das, was vor mir liegt, und spüre nur noch Druck. Dann weiß ich: Ich denke zu groß.

Nicht, weil das Ziel unerreichbar wäre, sondern weil mich die Vorstellung davon überfordert.

Ich sehe das fertige Ergebnis, denke an die perfekte Lösung – und all die Dinge, die es zu bedenken gibt. Das Neue, das Unbekannte, die viele Arbeit. Und je länger ich darüber nachdenke, desto komplizierter wird alles. Zumindest in meinem Kopf.

Während ich versuche, alles gedanklich durchzuspielen, passiert etwas Merkwürdiges: Mein Denken verweigert sich.

Es ist, als würde mein System sagen: Zu viel. Zu schwer. Zu kompliziert.

Und dann kommt sie – diese leise Stimme: „Stell dich nicht so an, andere schaffen das auch.“ Aber ich bin nicht die anderen, ich funktioniere auch nicht wie sie. Das weiß ich inzwischen.

Nicht das Ziel ist das Problem, sondern unsere Vorstellungen davon

Es ist selten die Aufgabe selbst, die mich blockiert, sondern das Idealbild davon. In diesen Momenten mache ich die Dinge größer, schwieriger und komplizierter, als sie wirklich sind. Ich denke an das Ergebnis. Ich denke über den Aufwand nach, über Zeit und über mögliche Fallstricke. Vielleicht vergleiche ich mich sogar mit anderen.

Aus all dem entsteht Druck. Und Druck lähmt.

Aus dieser Lähmung entsteht oft noch etwas: schlechtes Gewissen. Weil wir die Dinge nicht anpacken, sondern vor uns herschieben. Stunden, Tage, manchmal Wochen. Und jedes Mal, wenn wir daran denken, zieht sich innerlich etwas zusammen.

Der Perspektivwechsel: Kontakt statt Konzept

Was mir inzwischen hilft, ist weder Disziplin, noch Tipps oder ein besserer Plan. Beides schießt mich völlig ins Aus. Was mir hilft, ist eine andere Frage:

Was ist der kleinstmögliche Schritt, den ich jetzt tun kann?

Und zwar unabhängig vom Ergebnis. Unabhängig davon, wie „man“ es idealerweise machen würde.

Seit Jahrzehnten versuche ich erfolglos, meine Ablage systematisch zu strukturieren. Als ich dann eine Lösung gefunden hatte, habe ich nicht mit dem vorgestellten perfekten Ordnungssystem begonnen, sondern mit der kleinstmöglichen Aufgabe: Ich habe einfach die Zettelwirtschaft auf meinem Schreibtisch digitalisiert. Mit den Mitteln, die da waren. Jeden einzelnen Notizzettel. Nach einem Tag war ich durch – und so zufrieden wie lange nicht.

Bevor ich mir die Details der Themen-Challenge überlegt habe, habe ich geprüft, ob ich überhaupt Themen finde, über die ich schreiben möchte.

Es geht nicht um eine Strategie, sondern um eine Annäherung an ein Ziel, ein Projekt, eine Aufgabe.

Manche Projekte bewege ich tage- oder wochenlang gedanklich in mir. Ich lasse mich inspirieren, lese etwas darüber, taste mich entspannt heran. Ohne Druck und ohne Konzept. Es geht nur um eine erste Verbindung.

Die Kraft des Anfangens

In dem Moment, in dem ich mich annähere, beginnt etwas Entscheidendes: Die Aufgabe verliert ihre bedrohliche Größe. Sie wird konkret, bekommt Kontur. Sie wird handhabbar – im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich komme in Verbindung mit ihr.

Dieser erste Schritt fühlt sich selten spektakulär an.

Er ist unscheinbar und leise – fast banal. Und doch ist er kraftvoll. Denn er durchbricht die Starre. Er ersetzt das schlechte Gewissen durch ein leises Gefühl von Selbstwirksamkeit.

„Ich habe angefangen.“ Und dieses Gefühl trägt.

Wie oft habe ich früher auf den richtigen Moment gewartet. Auf Klarheit, auf das perfekte Konzept. Heute weiß ich: Klarheit entsteht im Losgehen. Im Umsetzen.

Ich beginne. Manchmal mit Widerstand. Manchmal zögerlich. Manchmal nur mental. Aber ich beginne.

Und jedes Mal, spüre ich, wie es in mir leichter wird. Lebendiger. Erst dann merke ich, ob ich weitergehen möchte – oder ob ich noch einmal neu ansetze. Aber das weiß ich nur, wenn ich es ausprobiert habe.

Was wäre dein erster kleiner Schritt?

Vielleicht darfst du dir heute erlauben, das große Bild für einen Moment zur Seite zu legen. Nicht, um es aufzugeben. Sondern um es machbarer zu machen.

Mach es kleiner, mach es unperfekt. Verändere es so, dass es für dich machbar wird. Nicht morgen und nicht erst, wenn alles klar ist.

Sondern jetzt – mit dem, was du gerade bist und hast.

Denn die Befreiung liegt nicht im Erreichen.
Sie liegt im Anfangen.