Ich weiß nicht, wie oft ich meine Ziele schon nach der SMART-Methode definiert habe, und trotzdem habe ich sie weder leichter, noch schneller – und vor allem nicht verlässlicher – erreicht.
Diese Erfahrung habe ich nicht nur bei mir gemacht, sondern auch bei anderen beobachtet.
Wir glauben, dass ein sauber formuliertes Ziel automatisch zu einem besseren Ergebnis führt. Dass Struktur Sicherheit gibt. Dass Klarheit gleich Umsetzung bedeutet.
Aber das ist ein Trugschluss. Denn Zielerreichung ist kein technischer Vorgang, sondern ein zutiefst persönlicher innerer Prozess – und den kann keine Methode vollständig abbilden.
Zielsetzung nach SMART
Die SMART-Methode ist ein hilfreiches Tool, eine Art roter Faden, um sich strukturiert mit einem Ziel auseinanderzusetzen:
- Spezifisch: Was genau möchtest du erreichen?
- Messbar: Woran erkennst du, dass du es erreicht hast?
- Attraktiv: Wie sehr willst du dieses Ziel wirklich?
- Realistisch: Fordert es dich, ohne dich zu überfordern?
- Time: Bis wann möchtest du dein Ziel erreichen?
An diesen Fragen kann man sich wunderbar entlanghangeln, und doch geraten viele schon an diesem Punkt ins Stolpern.
Denn ein Ziel wirklich zu definieren, es klar zu benennen, sich festzulegen – schriftlich und überprüfbar – ist anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick erscheint. Manche scheuen die Tiefe dieser Auseinandersetzung, andere fangen erst gar nicht damit an.
Gleichzeitig habe ich über die Jahre beobachtet: SMART ist keine Garantie, um ein gewünschtes Ziel zu erreichen.
Zielerreichung bedeutet, Neuland zu betreten.
Wir setzen uns Ziele, weil wir etwas verändern wollen – und damit bewegen wir uns zwangsläufig in eine erfahrungsfreie Zone.
Das bedeutet: Wir kennen den Weg nicht und wir wissen nicht genau, was es braucht – und vor allem haben wir keine Ahnung, wer wir werden müssen, um zu der Person zu werden, zu der dieses Ziel passt.
Denn Zielerreichung ist kein reines Umsetzungsprojekt, sondern ein Wachstumsprozess.
Es geht nicht nur darum, etwas zu tun, sondern darum, zu jemandem zu werden.
Die größten Hindernisse wirken oft im Verborgenen
Eines der größten Hindernisse auf dem Weg zum Ziel sind unbewusste Themen: alte Erfahrungen, innere Blockaden, Glaubenssätze oder emotionale Prägungen.
Sie wirken oft leise im Hintergrund und zeigen sich ausgerechnet dann, wenn wir uns auf den Weg zu unseren Zielen machen. Wir kommen nicht voran, verlieren die Motivation oder treten auf der Stelle – ohne zu verstehen, warum.
Das ist kein Zufall und genau hier wird es spannend. An der Stelle braucht es Hinsehen, Verstehen, und Bewusstwerden.
Für mich ist das einer der größten Gewinne von Zielsetzung überhaupt – auch wenn das sehr unangenehm sein kann.
Die Ungewissheit ist ein zentraler Bestandteil echter Veränderung.
Ich weiß zu Beginn nicht, welche Themen auftauchen werden. Ich weiß nicht, welche inneren Prozesse ausgelöst werden und wie lange es dauert, sie zu integrieren.
Diese Ungewissheit ist ein zentraler Bestandteil echter Veränderung.
Die Wahrheit ist: Zielerreichung verläuft selten geradlinig.
Nicht nur, weil das Leben mit erstaunlicher Regelmäßigkeit Pläne durcheinanderbringt, sondern weil innere Prozesse nicht planbar sind. Wir bewegen uns auf unbekanntem Terrain – und können oft nicht einschätzen, wie viel Zeit wir brauchen.
Wenn Termine immer wieder verschoben werden müssen, geht schnell die Motivation verloren. Und manchmal ist es ein wertvolles Signal dafür, den gesamten Zielsetzungsprozess neu zu überdenken.
Der Weg zum Ziel ist geprägt von Umwegen, Pausen, Schleifen, Stopps – und von Phasen, in denen nichts voranzugehen scheint, obwohl innerlich vielleicht viel geschieht.
Fähigkeiten entstehen oft erst auf dem Weg
Ein weiterer Punkt: Zu Beginn können wir oft noch nicht einschätzen, ob wir alle Fähigkeiten und Kompetenzen haben, um das Ziel zu erreichen. Wir haben vielleicht eine leise Ahnung – aber keine Klarheit.
Lernen, Wachsen und Integrieren braucht Zeit und lässt sich selten realistisch planen.
Zielerreichung ist ein emotionaler Prozess
Was in der klassischen Zielsetzung häufig fehlt, ist der Blick auf den Prozess. Der Fokus liegt stark auf dem Ergebnis – und zu wenig auf dem Weg dorthin. Dabei ist Zielerreichung kein rein sachlicher Vorgang.
Sie ist in erster Linie ein emotionaler Prozess. Je größer das Ziel, desto größer die innere Bewegung – umso intensiver der Wandel. Gerade für große Ziele wird SMART gerne genutzt – und genau hier stößt das Modell an seine Grenzen.
Die Zielfindung ist bereits Teil des Prozesses
Schon die Definition eines stimmigen Ziels ist ein eigener Entwicklungsprozess. Sich weder zu unter- noch zu überfordern, ein Ziel zu finden, das herausfordert und zugleich tragfähig ist, verlangt Ehrlichkeit, Selbstwahrnehmung und die Bereitschaft, sich auf Unsicherheit einzulassen.
Und vielleicht liegt genau hier der Perspektivwechsel:
Ziele sind kein fixes Versprechen an die Zukunft.
Sie sind Einladungen an unser Wachstum.












