Vorbilder sind etwas Wunderbares. Sie zeigen uns, wie es gehen kann. Sie halten uns motiviert, wenn wir zweifeln – und öffnen Horizonte, die wir allein vielleicht nie betreten hätten.
Vorbilder geben uns das Gefühl: Es ist möglich.
Ich habe viele Biografien gelesen – vor allem von sehr erfolgreichen Menschen. Sie haben mir gezeigt, was alles möglich ist. Und ich habe Bücher von Menschen gelesen die, wie ich selbst, große Herausforderungen erlebt und trotzdem Wege gefunden haben, daran zu wachsen und ein erfülltes Leben zu führen.
Gerade in sehr schwierigen Lebensphasen haben mich diese Geschichten getragen.
Sie haben mir Mut gemacht und bewiesen, dass man durch Krisen hindurchgehen und an ihnen wachsen kann. Und doch habe ich im Laufe meiner eigenen Entwicklung etwas Entscheidendes erkannt: Vorbilder können inspirieren.
Und sie können uns auf einen Weg führen, der zwar attraktiv aussieht – aber nicht zu uns passt.
Mir ist genau das passiert.
Vorbilder sind nicht per se schlecht.
Wenn wir ein Ziel erreichen möchten, für das es in unserem unmittelbaren Umfeld keine Vergleichswege gibt, kann es enorm hilfreich sein, Menschen zu finden, die diesen Weg bereits gegangen sind. Geschichten, Berichte, Biografien – all das kann Orientierung geben, Halt – und vor allem helfen, entschlossen den eigenen Weg zu gehen.
Warum ich begann, die Strategien von Vorbildern zu übernehmen
Ich weiß nicht mehr genau, womit alles angefangen hat. Mit den ersten Büchern zur Persönlichkeitsentwicklung? Mit dem ersten Erfolgsseminar? Oder mit meiner NLP-Ausbildung und diesem einen Satz, der mich an Unerreichbares glauben ließ:
Alles ist möglich.*
Angekommen ist bei mir vor allem eines: Wenn andere es geschafft haben, dann kann ich das auch. Ich muss nur ihre Strategien untersuchen, übernehmen und entsprechend handeln. Erst beim Schreiben dieses Textes wurde mir klar, dass mich dabei weniger das konkrete Tun fasziniert hat, sondern ihre innere Haltung:
- Wie sie denken und auf das Leben schauen.
- Wie sie ihren Alltag organisieren.
- Welche Tools sie nutzen.
- Wie sie Entscheidungen treffen.
- Wie sie arbeiten und worauf sie sich fokussieren.
- Was ihnen wirklich wichtig ist.
Ich wollte verstehen, wie Menschen ticken, die zu wissen scheinen, wie das Leben funktioniert – schließlich waren sie erfolgreich.
Vom Inspirieren zum Übernehmen
Ich war nie der Typ, der Vorbilder idealisiert – und ich tauge auch nicht zum Gropie. Statt sie zu bewundern, habe ich sie analysiert, um herauszufinden, was sie tun und wie. Was ich spannend fand, habe ich übernommen. Nicht Routinen, die hielten nie lange, sondern Haltungen. Entscheidungsfreude, Disziplin, Freude, Vorwärts- und über den Tellerrand denken.
Denn mir war klar: Äußere Umstände kann ich nicht immer kontrollieren – aber meine innere Haltung.
Gleichzeitig schlich sich ein gefährlicher Gedanke ein: Wenn ich das auch so mache, dann komme ich an. Wenn ich SMARTe Ziele setze, klare Visionen formuliere, ihren Strategien folge, ihre Konzepte übernehme.
Eine zentral wichtige Frage hatte ich dabei vergessen: Passt das wirklich zu mir?
Dazu war ich damals noch nicht in der Lage. Ich hatte ohnehin ein tief sitzendes Gefühl, irgendwie falsch zu sein. Anpassung war deshalb ein vertrautes Muster. Und so setzte sich dieses Muster in der Persönlichkeitsentwicklung fort.
Man nimmt sich selbst immer mit.
Erste Risse – und viele Krisen
Die Ziele, die ich mir im Außen erhofft hatte, erreichte ich nicht. Stattdessen kamen Krisen – einige davon existenziell. In meinem Leben ging es nicht mehr um Erfolg. Es ging ums Überleben. Darum, zu funktionieren und das Leben zu managen.
Dadurch verlagerte ich meinen Fokus auf meine Innenwelt. Und damit auf die Bereiche, in denen ich wirklich etwas verändern konnte.
Mir war früh klar, dass nichts zufällig passiert und äußere Situationen etwas mit dem zu tun haben, was in mir ist. Dass sie innere Prozesse anstoßen. Also begann ich, mich intensiv mit mir selbst zu beschäftigen – um das Menschsein besser zu verstehen. Ich ging in die innere Klärung, schaute mir Muster und Blockaden an.
Und doch blieb dieser Gedanke: Mit mir stimmt etwas nicht.
Denn wenn die Methoden doch klar sind – warum bleibt dann der Erfolg aus?
Erst viele Jahre später verstand ich: Vielleicht funktionierten sie genau richtig. Nur eben nicht für mich.
Wann habe ich mich selbst verloren?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich je verloren habe, denn inzwischen habe ich herausgefunden, dass ich keine wirkliche Verbindung zu mir selbst hatte. Ich suchte im Außen, was ich innen nicht fand.
Ich sehnte mich nach diesem klaren, intuitiven Gefühl – zu wissen, was für mich richtig und stimmig ist. Ich war so unglaublich unsicher, denn in meinem Umfeld gab es keine Vorbilder – eher Kritiker, und davon mehr als genug.
Also orientiere ich mich außen.
Viele der Ziele, die ich erreichen wollte, waren keine wirklich eigenen Ziele. Sie waren Konstrukte, die ich, wie viele andere, von der Familie, der Gesellschaft übernommen hatte. Sie entsprachen eher den allgemeinen Vorstellungen von Erfolg.
Doch sie lösten nicht die Motivation aus, die ich gebraucht hätte, um sie zu erreichen.
Aufwachen – besser spät als nie
Der Wendepunkt kam erst sehr viele Jahre – Jahrzehnte – später. Durch tiefgreifende innere Veränderungen – und eine ungeplante Unterbrechung im Außen. Die Entscheidung, vier Wochen lang nicht zu schreiben, hat etwas bis dahin unbewusstes sichtbar gemacht. Denn das Schreiben war schon immer ein wichtiger Teil meiner Identität und das Bloggen war zu einem zentral wichtigen Bereich in meinem Leben geworden.
Von heute auf morgen nicht mehr zu schreiben, hat alles verändert. Plötzlich hatte ich Zeit und mein gesamtes Leben entspannte sich von einem Tag auf den anderen.
Es war wie ein stilles – und gleichzeitig kraftvolles – Erwachen.
Endlich konnte ich das Ungleichgewicht in meinem Leben sehen. Ich erkannte die Anpassungsmuster, die mich gleichzeitig schützten.
Hätte ich das alles früher sehen können?
Ja, wenn ich mir die richtigen Fragen gestellt hätte. Aber ich hätte die Antworten, die daraus entstanden wären, nicht (aus)halten können und wäre damit völlig überfordert gewesen.
Es brauchte diese Reife, damit nichts zusammenbricht, sondern sich neu ordnen kann.
Heute kann ich sehen, dass die Jahrzehnte der intensiven inneren Arbeit die Vorbereitung auf diesen Wendepunkt waren. Nichts war umsonst. Gar nichts. Kein Umweg, kein Kampf, kein Scheitern. All das war die Vorarbeit.
Und ja – mein Seelenplan spielte dabei eine entscheidende Rolle.
Wie ich heute mit Vorbildern umgehe
Vorbilder spielen in meinem Leben fast gar keine Rolle mehr. Natürlich gibt es Menschen, die mich inspirieren und Dinge, die ich toll finde, übernehme ich gerne. Aber ich folge ihnen nicht mehr. Vorbilder sind für mich Impulsgeber geworden, keine Wegweiser.
Ich frage nicht mehr: Wie mache ich das genauso?
Sondern: Was daran berührt mich? Welche Qualität spricht mich an?
Ich spüre immer besser, ob etwas zu meiner Wahrheit passt. Ob es mir dient. Ob es wirklich mein Weg ist.
Was geblieben ist – und was ich wirklich gelernt habe
Erst jetzt, beim Schreiben dieses Textes, wird mir klar, was ich tatsächlich von meinen Vorbildern übernommen habe. Nicht ihre äußeren Ergebnisse, nicht ihren Status, nicht ihr Leben – sondern etwas viel Wertvolleres:
Die Fähigkeit, mich immer wieder zu wandeln. Bewusstsein zu entwickeln und über den Tellerrand hinauszuschauen.
Ich habe viel über Selbstmanagement gelernt – nicht im Sinne von Optimierung, sondern als bewussten Umgang mit mir selbst. Ich habe gelernt, groß zu denken, mutig zu sein und auch mal zu scheitern. Ich habe Entscheidungsfreude entwickelt, Entschlossenheit und innere Klarheit gewonnen.
Und ja: auch Zielsetzung.
Nicht als starres Konstrukt, sondern als innere Ausrichtung – als Fähigkeit, mir bewusst eine Richtung zu geben, ohne mich darin zu verlieren.
Vielleicht habe ich die Ziele meiner Vorbilder nicht erreicht. Aber ich bin zu jemandem geworden, der sein Leben reflektiert, bewusst gestaltet und bereit ist, sich immer wieder weiterzuentwickeln.
Und heute weiß ich: Das war kein Umweg. Es war mein Weg.
*Für mich ist immer noch alles möglich. So viel mehr, als wir glauben – und als wir uns vorstellen können. Jedoch sollte es zu uns und unserem Weg passen. Das ist für mich heute der entscheidende Unterschied.













