Während ich die Rohtexte* über Endlichkeit, Tod und Leben lese, werde ich für einen Moment nachdenklich. In mir ist ein Gedanke, der mich nicht mehr loslässt. Mir ist bewusst, dass er sich im ersten Moment skurril und etwas seltsam anhört:
Die meiste Zeit meines Lebens hätte ich den Tod nicht als Verlust betrachtet, sondern als mögliche Lösung, damit die Verzweiflung in meinem Leben ein Ende hat.
Das hört sich etwas schwermütig und depressiv an. Tatsächlich war ich das nie. Aber ich war verzweifelt. Und ich kann erst heute sehen, dass mich das, was daraus entstanden ist, am Ende gerettet hat. Darum geht es in diesem Blogartikel.
Der Traum von einem normalen Leben
Ja, ich hatte Ziele in meinem Leben. Immer. Und es war mir wichtig, sie zu erreichen. Denn weil so vieles unüberwindbar schien, wollte ich weg davon – und hin zu etwas Besserem. Zielsetzung war ein probates Mittel, um mich auf den Weg zu einem Leben zu machen, das mir lohnenswert erschien und meinen Vorstellungen von einem glücklichen Leben entsprach.
Gleichzeitig scheiterte ich genau an den Wünschen, die sich für andere ganz selbstverständlich zu verwirklichen schienen.
Bei mir dagegen war alles irgendwie schwierig und anstrengend. Gerade hatte ich eine Katastrophe gemeistert, da erschien schon die nächste auf der Bildfläche. Ich war enttäuscht und frustriert, denn es gab kaum etwas, das einfach mal glatt lief.
Ich sehnte mich nach Leichtigkeit, nach Freude und nach einem stinknormalen Leben, in dem die Dinge in die richtige Richtung laufen.
Doch für mich galten wohl andere Regeln. Die klassischen und gesellschaftlich anerkannten Wege schienen nicht für mich vorgesehen zu sein. Ich hatte immer das Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmte. Nur was?
Irgendwann hatte wohl ein Teil in mir die Hoffnung auf ein gutes und weitgehend normales Leben aufgegeben.
Mein Leben fühlte sich nach Kampf und Verzicht an. So erklärt sich vielleicht auch, warum ich Bucket-Listen nie besonders attraktiv fand. Ich hatte genug zu tun mit meinem Alltag und meine Bemühungen schienen ohnehin selten zum gewünschten Ergebnis zu führen. Warum also sollte ich mir zusätzliche Wünsche auf eine Liste packen?
Erst im Rückblick fällt mir auf, dass ich viele Dinge, die für andere Menschen wichtig waren, nicht wirklich vermisst hatte. Natürlich gab es Momente des Vergleichs. Ich war neidisch und hätte manches auch gerne gehabt.
Doch meine wirkliche Sehnsucht galt nicht dem großen Haus, den Fernreisen oder einem spektakulären Leben. Ich sehnte mich nach einem konfliktfreien Leben. Nach einer Arbeit, die mir Freude machte. Nach Frieden, Freiheit und innerer Ruhe.
Aber vor allem sehnte ich mich nach dem Ende des Überlebens-Kampfes.
Ich weiß gar nicht, ob ich gerne ein anderes Leben gehabt hätte. Ich wollte einfach, dass es leichter wird – und dafür war ich bereit, alles zu tun.
Der Moment, an dem mein eigentliches Leben begann
Erst durch den Blogartikel Wenn das Leben plötzlich endlich wird von Tina Maria wurde mir bewusst, dass es auch in meinem Leben ein Davor und ein Danach gab. Das Leben, bevor ich im elterlichen Unternehmen mitarbeitete, würde ich heute als weitgehend normal bezeichnen.
Als ich mich entschied, im Familienunternehmen mitzuarbeiten, begann das Danach. All das, was ich zuvor beschrieben hatte. Und aus diesem herausfordernden Alltag entwickelte sich ein Weg, den ich mit großer Entschlossenheit verfolgte.
Er führte mich zu dem, worum es mir wirklich ging, und was für mich bedeutsam war.
Ich wollte verstehen, was das alles mit mir zu tun hat, und so entstand ein Leben, das ich lange Zeit als „Inkognito-Leben“ bezeichnete.
Ein Leben, das ich meiner inneren Entwicklung widmete. Dem Verstehen von Krisen, inneren Mustern – und der Frage, was Veränderung möglich macht.
Ich wollte vor allem das Leben und das Menschsein verstehen.
Mein eigentliches Leben fand im Geheimen statt
Ich hatte dieses Leben als etwas betrachtet, das neben meinem eigentlichen Leben stattfand. Doch das war ein Irrtum. Das Suchen, das Verstehen-Wollen und die tiefe Auseinandersetzung mit all den Krisen und Herausforderungen waren kein Inkognito-Leben.
Es war mein wirkliches Leben!
Es war das, worum es mir wirklich ging. Das, was mich wirklich interessierte, was ich spannend fand. Ich fand es toll, neue Möglichkeiten zu entdecken. Ich mochte es, aus meinen Erfahrungen zu lernen, liebte die kleinen Fortschritte und hatte eine unbändige Freude an meinen Erkenntnissen.
Es war mein Weg aus der Ohnmacht – hin zur Selbstverantwortung und einem schöpferischen Leben.
Ich verstand irgendwann, wie viel sich durch meine eigene Entwicklung veränderte, und nein, das war kein Spaziergang, aber ein sehr lohnenswerter Weg. Und ich würde ihn wieder so gehen.
Ich bin immer noch überrascht, wie entschlossen und konsequent ich diesen Weg der Bewusstseinsentwicklung gegangen bin. Trotz der Kritik im Außen. Trotz der vielen Widerstände.
Ich habe gelernt und erfahren, dass wir unseren Erfahrungen nicht hilflos ausgeliefert sind. Krisen bedeuten nicht nur Schmerz.
Sie sind eine Möglichkeit, uns selbst zu erkennen – und zu lernen, dass Veränderung möglich ist.
Und dass innere Freiheit nicht dadurch entsteht, dass das Leben keine Schwierigkeiten mehr bereithält, sondern dadurch, dass wir lernen, anders mit ihnen umzugehen. Und sie unserer inneren Entwicklung dienen können.
Heute kann ich sagen: Es hat sich gelohnt
Ich habe viel investiert in diesen Weg: Zeit, Energie, Aufmerksamkeit und Geld.
Und nein, es ist mir nicht gelungen, das Business daraus zu kreieren, das ich mir vorgestellt hatte. Aber vielleicht ging es auch gar nicht darum. Vielleicht ging es darum, das Leben zu entdecken, zu erforschen – und ein bewusster Mensch zu werden.
Denn das war und ist der eigentliche Fokus meines Lebens.
Lange Zeit habe ich vor allem gesehen, was mich diese Jahre gekostet haben. Ganz langsam beginne ich zu sehen, was daraus entstanden ist: ein anderes Lebensgefühl. Mehr Ruhe und Gelassenheit. Mehr Vertrauen. Weniger Kampf und weniger Verzweiflung.
Nicht, weil plötzlich alles perfekt geworden wäre, sondern weil ich anders damit umgehen kann.
Mein Leben fühlt sich nicht mehr an wie ein permanenter Überlebens-Kampf, und das war immer mein Ziel. In diesem Sinne habe ich mein Ziel doch erreicht.
Ja, ich bin ein bisschen verrückt und ein bisschen anders. Aber das spielt für mich keine Rolle mehr. Denn mein Lebensgefühl ist heute ein völlig anderes. Und genau das zeigt mir, dass dieser Weg richtig war.
An dieser Stelle möchte ich den Menschen danken, die meinen Mann und mich auf diesem Weg begleitet und den Wandel erst ermöglicht haben. Meine erste spirituelle Lehrerin, die 2016 verstorben ist, und Tina Maria Werner, die unserem Leben mit der Seelenplanlesung und ihrer tiefen Arbeit neue Wege eröffnet hat.
*Diesen Blogartikel habe ich für das SPIRIT ME MAGAZIN – Ausgabe 28 „ENDLICH – Was der Tod uns über das Leben lehrt“ geschrieben und dort veröffentlicht.














