Ich gestehe: Ich mache keine Zielsetzung nach SMART

Frau erschrocken Kleid Sideboard Zimmerpflanze

In meinem Business ist das Thema Zielsetzung ein Dauerthema. Eine meiner ersten Fragen beim Start der Zusammenarbeit, ist die nach den Zielen. Warum? Weil ich die Partner*innen ausbilde und dabei unterstütze, ihre Ziele erreichen. Ich sollte also wissen, wie zügig jemand seine Ziele erreichen möchte, damit ich mich dem Tempo anpassen kann. Trotzdem muss ich an dieser Stelle gestehen, dass ich für meine eigenen Ziele keine klassische Zielsetzung nach SMART mache.

Als Coach sollte ich SMARTe Ziele setzen

Ja, ja, ich weiß. Ich bin mir meiner Vorbildrolle als Coach und Mentorin bewusst. Ich sollte mit der SMART-Methode arbeiten und meine Ziele entsprechend setzen. Klar, weiß ich, wie das geht. Ich bringe es sogar anderen bei. Aber ich mache es trotzdem nicht. Asche auf mein Haupt! Warum das so ist? Eigentlich weiß ich das gar nicht so recht. Meine Ziele erreiche ich trotzdem.

Wo ich „Zielsetzung nach SMART“ gelernt habe

Kennengelernt habe ich die Methode bei meinem ersten Erfolgsseminar und das ist schon eine Ewigkeit her. In der NLP-Ausbildung gehört es sowieso dazu und in der Coaching-Ausbildung auch. Ich weiß also, wie es geht und bin mir sicher, dass ich mir schon SMARTe Ziele gesetzt habe. Allerdings ist es mir nicht gelungen, die Methode zu meinem Standard-Werkzeug zu machen. Möglicherweise wende ich sie unbewusst sowieso an. Aber laß‘ uns doch erst mal schauen, was es mit „Zielsetzung nach SMART“ auf sich hat.

Wie setzt man Ziele nach der SMART-Methode?

Damit wir unsere Ziele erreichen, sollten sie bestimmte Kriterien erfüllen: Sie müssen SPEZIFISCH, MESSBAR, ATTRAKTIV, REALISTISCH und TERMINIERT – kurz: SMART – sein.

Chart Zielsetzung nach SMART

Ein Beispiel für SMARTe Zielsetzung

Nehmen wir mal an, ich möchte nächstes Jahr mehr Bücher zum Thema Persönlichkeitsentwicklung lesen. Dann würde das formuliert etwa so lauten: „Am 31.12.2023 habe ich 12 Bücher zum Thema Persönlichkeitsentwicklung gelesen.“ Das ist – zugegeben – spezifisch, aber noch ein bisschen schwammig. Denn idealerweise, tauche ich noch tiefer in das Zielbild ein und lege vielleicht sogar die Buchtitel fest. Aber für das Beispiel genügt das. Die Formulierung löst positive Gefühle in mir aus und ich kann mir gut vorstellen, wie ich am 31.12.2023 auf einen gelesenen Bücherstapel schaue und mich darüber freue. Messbar ist das Ziel auch, und ein Buch pro Monat ist für mich eine realistische Größe. Für mich wäre es ein durchaus attraktives Ziel. Allerdings löst der Gedanke an den Termin Bauchgrummeln aus. Er nimmt mir die gesamte Lust, mich auf den Weg in Richtung Ziel zu machen. Warum das so ist, weiß ich im Moment noch nicht so richtig.

Warum ich mir für Ziele keine fixen Termine setze

Mein Mann läuft kurz vor der Deadline zur Höchstform auf. Je weniger Zeit er hat, umso produktiver wird er. Bei mir lösen Termine eher das Gegenteil aus. Zumindest die kurzfristigen. Sie setzen mich unter Druck und unter Druck kann ich nicht gut arbeiten. Da wird es fürchterlich leer in meinem Kopf und ich fühle mich regelrecht blockiert. Aber warum stressen mich Zahlen? Warum löscht das meine gesamte Motivation regelrecht ab?

Theorie Nr. 1: Termine blockieren meine Motivation

Ich habe zwei Eigenschaften, die in diesem Fall und in dieser Kombination vermutlich nicht sehr hilfreich sind. Ich bin sehr zuverlässig. In diesem Fall bedeutet das, dass ich etwas durchziehe, wenn ich mich dazu entschieden habe. Und weil ich ganz schön ehrgeizig sein kann, erreiche ich meine Ziele oft früher als geplant. Wenn die Motivation groß ist, gibt es kein Halten mehr und ich bleibe so lange dran, bis ich das Ergebnis erreicht habe. Wann ich das genau erreiche, ist mir egal, in der Regel habe ich ein inneres Gefühl dafür und am Ende passt es immer. Setze ich mir allerdings einen Termin, dann blockiert mich das regelrecht. Das ist ja spannend und ich frage mich gerade, ob es in meiner Vergangenheit mal ein unangenehmes Erlebnis dazu gab. Denn man kann Termine ja auch verschieben.

Theorie Nr. 2: Lernprozesse sind nicht planbar

Für die 12 Bücher brauche ich sicher keine neuen Fähigkeiten oder Kenntnisse. Aber es gibt Ziele, für die ich mein Mindset verändern muss. Wenn ich zum Beispiel das Ziel habe, vor 500 Personen einen Vortrag zu halten, weiß ich noch nicht, ob ich von Auftrittsängsten blockiert werde. Diese Prozesse sind selten kalkulierbar. Wenn dann zum Problem noch zeitlicher Druck dazukommt, macht es das Ganze nicht viel besser. Mir ist schon klar, dass man Termine verschieben kann. Aber schon alleine der Gedanke an eine „Deadline“ würde mich in diesem Fall enorm unter Druck setzen.

Theorie Nr. 3: Das Leben kommt dazwischen

Du kennst sicher den Spruch: „Leben ist das, was passiert, während Du dabei bist Pläne zu machen.“ Und genau das ist mir immer wieder passiert. Das Leben ist nur bedingt planbar. Ja, ich kann Ziele setzen und mich fokussieren. Aber ich habe auch gelernt, dass das Leben in der Regel den besseren Zeitplan hat als mein Kopf. Wenn ich klar weiß, was ich erreichen will, dann kann ich ganz sicher davon ausgehen, dass die Dinge zum genau richtigen Zeitpunkt passieren. So perfekt, dass ich oft nur staunen kann. Deshalb ist Zielsetzung für mich ein Mix aus klarem Fokus und gleichzeitigem Loslassen, was den Zeitplan betrifft.

Meine persönliche Art, Ziele zu erreichen

Ich kann nicht konkret in Worte fassen, warum mich die Terminierung bei SMART so dermaßen blockiert. Möglicherweise liegt es daran, dass ich sehr intuitiv bin und meinem inneren Kompass folge. Wenn mich ein Ziel wirklich motiviert und ich es erreichen möchte, dann gehe ich los und bleibe dran, bis ich es erreicht habe. Innere Blockaden, Hürden oder Umwege nehme ich dann einfach als Lernerfahrung in Kauf. Ziele, die mir wirklich wichtig sind, habe ich bisher immer erreicht.

Vermutlich habe ich über die viele Jahre meine ganz eigene, intuitive Art der Zielsetzung entwickelt. Sie funktioniert, und das ist das wichtigste. Bilder haben, zum Beispiel, eine unglaublich starke Wirkung auf mich. Ich habe schon die unglaublichsten Dinge visualisiert und erreicht. Zum genau richtigen Zeitpunkt – oder sogar früher. Bei der Gelegenheit fällt mir noch der Gedanke des amerikanischen Coaches Michael Neill ein, der einmal sinngemäß sagte:

„Wenn du dein Ziel fühlst, wenn du ein starkes WARUM hast und das Ziel unbedingt erreichen möchtest, dann wirst du es erreichen. Egal wie du es anpackst. Dann ist es völlig egal, ob du eine saubere Zielsetzung gemacht
hast, ein Visionboard hast oder jeden morgen eine Affirmationen sprichst.
Du wirst dein Ziel auch ohne all diese Dinge erreichen.“

Am Ende des Tages ist es also fast egal, nach welcher Methode ich vorgehe. Wenn meine Motivation groß genug ist, bin ich UNAUFHALTBAR. Wenn ich glaube, dass Affirmationen entscheidend sind, um mein Ziel zu erreichen, sollte ich sie auch nutzen. Und wenn ich der Meinung bin, dass sie für meine Zielerreichung unwichtig sind, dann wird auch das so sein. Es ist wie immer: Das Mindset entscheidet. Unsere Erfahrungen, Überzeugungen und Muster.

Den eigenen Weg finden – mit oder ohne SMARTer Zielsetzung

Und jetzt schließt sich für mich auch der Kreis. Meinen Teampartner*innen sage ich immer, dass es darum geht, seinen eigenen und ganz persönlichen Weg zu finden. Herauszufinden, wie man seine Ziele erreicht. Jeder ist anders und darf deshalb seine ganz persönliche Strategie entwickeln. So wie ich meine Ziele auch ohne die klassische Terminierung erreiche.

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