Coaching und Mentoring: Was ist der Unterschied?

Frau mit Fernglas schaut auf Coaching und Mentoring Begriffe

Was ist Coaching und was ist Mentoring? Gibt es einen Unterschied und wenn ja, welchen? Ich kenne Mentoring aus der Wirtschaft. Jungen Führungskräften wird – wenn sie Glück haben – ein Mentor zur Seite gestellt, der sie mit ihren Erfahrungen unterstützt. Ich habe viele Jahre als Coach gearbeitet und bin inzwischen Mentorin. Ich werde in diesem Beitrag die Unterschiede erklären. Starten wir mal mit Coaching.

Was ist Coaching?

Ich habe mich mein gesamtes Erwachsenenleben lang von Coaches begleiten lassen. Immer dann, wenn ich vor einer Aufgabe oder Herausforderung stand, bei der ich alleine nicht weiterkam, habe ich mir einen Coach an die Seite geholt. Jemanden, der mich so lange begleitet, bis das Problem gelöst war und ich den nächsten Schritt gehen konnte. In der Regel dauerte das fünf bis zehn Coachingstunden.  Und da sind wir auch schon an einem zentralen Punkt. Coaching ist eine temporäre Unterstützung, die so lange dauert, bis der Coachee sein Coachingziel erreicht hat.

Beim Coaching hat der Coach die Rolle des neutraler Gesprächspartners und idealerweise stehen Coach und Coachee nicht in einer persönlichen Beziehung. So lernt man das zumindest in den Ausbildungen. Das macht auch Sinn, denn einer nahestehenden Person gegenüber, wie zum Beispiel einem Freund, kann man als Coach nie ganz objektiv sein. Diese Haltung ist aber im Coaching wichtig, denn sie ermöglicht völlig neue Blickwinkel auf das Thema des Coachees. Außerdem kann es auch mal wichtig sein, Tacheles zu reden und da ist dieser innere Abstand ganz hilfreich.

Der Coach muss nicht zwingend über Erfahrungen im Themenbereich des Coachees verfügen. Es kann hilfreich sein, wenn der Coach damit Erfahrungen hat, muss aber nicht. Denn im Coaching entwickelt der Coachee seine Lösung selbst und die Aufgabe des Coaches besteht darin, ihn hierbei zu unterstützen.  Die richtigen Fragen zu stellen, oder Methoden anzuwenden, durch die der Coachee Klarheit gewinnt und eine individuelle Lösung für sich entwickeln kann.

Was ist Mentoring?

Zu meiner Aufgabe als Mentorin bin ich eher zufällig gekommen und ich muss gestehen, dass sie mir besser liegt, als die des Coaches. Ein Mentor ist eine Person, die ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen an eine Person weitergibt, die am Anfang ihres beruflichen Werdegangs oder ihrer Entwicklung steht. Zwischen Mentor und Mentee gibt es in der Regel einen sehr intensiven Erfahrungsaustausch. Sowohl persönlich als auch fachlich. Der Mentor hat eine berufliche und persönliche Vorbildfunktion und ist vertrauensvoller Ansprechpartner für Probleme und Herausforderungen. Er ist, Ratgeber, Coach, wertschätzender Kritiker, Förderer, (Heraus-)Forderer und unterstützt damit auch persönliche Entwicklung des Mentee.

Die Beziehung zwischen Mentor und Mentee ist längerfristig angelegt und basiert auf einer vertrauensvollen Beziehung. Im Mentoring profitieren in der Regel beide – Mentor und Mentee – voneinander. Und zwar so lange, bis der Mentee sein Ziel erreicht hat oder den Mentor für seine Entwicklung nicht mehr benötigt.

Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Mentoring?

Obwohl sich Coaching und Mentoring sehr ähnlich sind, gibt es doch große Unterschiede. Beim Coaching handelt es sich um eine temporäre Unterstützung, während Mentoring längerfristig angelegt ist. Auch die Beziehungen zwischen Coach und Coachee oder Mentor und Mentee unterscheiden sich. Während sich beim Mentoring über die Zeit des intensiven Erfahrungsaustauschs eine tiefe vertrauensvolle Beziehung entwickelt, ist es beim Coaching wichtig, eine gewisse Distanz zu wahren. Auch wenn beim Coaching Vertrauen und eine gute Beziehungsebene wichtige Schlüsselfaktoren sind.

Im Gegensatz zum Mentor benötigt der Coach keine spezielle Expertise im Themenbereich des Coachees. Denn er berät nicht, sondern stellt gezielte Fragen, damit der Coachee für sich eine Lösung finden kann. Mentoring dagegen, lebt von den Erfahrungen des Mentors und einem intensiven Erfahrungsaustausch.

Meine persönlichen Erfahrungen in beiden Rollen

Ich habe immer gerne als Coach gearbeitet und es macht mir nach wie vor Freude, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Allerdings fand ich es schade, nicht zu erfahren, welche Veränderungen sich langfristig daraus entwickelt haben.

Beim Mentoring finde ich die Mischung aus fachlicher und persönlicher Unterstützung unglaublich spannend. In der Regel hängt das eine sowieso mit dem anderen zusammen und ich kann in beiden Bereichen unterstützen. Außerdem liebe ich die langfristige und intensive Zusammenarbeit. Natürlich habe ich zu Beginn mehr die Rolle eines Lehrenden, aber ich lerne auch unglaublich viel von meinen Mentees. Und so ist es für beide eine Win-Win-Situation. Dabei sein zu dürfen, wie Menschen kompetent und selbstbewusst werden – und immer wieder über sich selbst hinauswachsen – erfüllt mich zutiefst. Und da ich meine Mentees eigentlich zu Mentoren ausbilde, hat es sogar noch einen größeren Mehrwert. Es ist für mich eine der schönsten beruflichen Aufgaben, die ich je hatte.

8 Kommentare

  1. Super gut erklärt, liebe Marita. Vielen Dank dafür. Obwohl ich schon mit beiden zusammengearbeitet habe, war mir der Unterschied so nicht bewusst. Wieder was gelernt!

  2. Christiane Schleiffer-Müller

    Da kann ich mich anschliessen. Die Unterschiede genial herausgeschält und super erklärt. Ein sehr gelungener Blogartikel.

  3. Susanne Müller

    Liebe Marita, danke für die sehr interessante Beschreibung und den guten Einblick
    Herzliche Grüße von Susanne

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      Marita Eckmann

      Herzlichen Dank, liebe Susanne, für Deinen Kommentar. Ich Freue mich, wenn ich inspirieren kann.

      Gruß,
      Marita

  4. Barbara Straub

    Interessanter Beitrag…ich hatte noch nie so wirklich darüber nachgedacht….sehr schön aufgeschlüsselt !

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      Marita Eckmann

      Danke, liebe Barbara. Für mich war es auch sehr erkenntnisreich.

      Gruß, Marita

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