Auf den ersten Blick hat dieser Glaubenssatz so gar nichts mit mir und meinem Business zu tun. Und doch hat der mein Leben stärker beeinflusst, als ich damals ahnte. Denn aufgrund dieses Glaubenssatzes habe ich einen völlig anderen Berufsweg eingeschlagen, als ursprünglich geplant.

Als ich ihn viele Jahre später hinter mir ließ, veränderte das nicht nur meine Beziehung zum Zeichnen. Es veränderte auch meine Haltung gegenüber Herausforderungen, Blockaden und den Grenzen, die wir uns selbst setzen.

Ich bin in einem kreativen Umfeld groß geworden

Wir hatten zuhause ein Schreibwarengeschäft und eine Druckerei. Die Welt der Farben, Papiere und Stifte gehörte ganz selbstverständlich zu meinem Leben. Nach der Schule saß ich oft an meinem Schreibtisch, um zu schreiben, zu malen oder zu basteln. In dieser Richtung habe ich kaum etwas ausgelassen. Kein Wunder also, dass ich den Kunstunterricht in der Schule liebte. Dank meiner Mutter besuchte ich als Kind sogar eine Malschule. Ich liebte mein Schönschreibheft in der Grundschule, und an den Plakat-Malkurs, den ich gemeinsam mit meiner Mutter besuchte, kann ich mich bis heute gut erinnern.

Ein Glaubenssatz entscheidet über meinen Berufsweg

Ich fand das alles großartig. Es machte Spaß, und deshalb war mein Berufswunsch klar: Ich werde Grafikdesignerin.

Das Problem war nur: Für die Bewerbungsmappe an der Grafikdesign-Schule brauchte ich eine Bewerbungsmappe mit Zeichnungen. Und genau an dieser Stelle bekam ich meinen Glaubenssatz deutlich zu spüren.

Damals, ich war 15 Jahre alt, war ich überzeugt, dass Zeichnen ein angeborenes Talent sei. Ich dachte an berühmte Künstler wie van Gogh, Picasso und viele andere und ging davon aus, dass sie mit diesem Talent geboren wurden. Und weil meine Zeichnungen längst nicht so gut waren wie ihre, hielt ich mich für völlig talentfrei.

Um es kurz zu machen: Mit den Zeichnungen für die Bewerbungsmappe habe ich gar nicht erst begonnen. Damit war mein Traum, Grafikdesignerin zu werden, gestorben.

Zur Schauwerbegestalterin fehlte mir anschließend ebenfalls der Mut und es gab niemanden in meinem Umfeld, der mir Mut zugesprochen hätte.

Am Ende wurde ich Kauffrau. Immerhin hatte ich in unserer weiterhin mit Gestaltung, Grafik und Design zu tun. Dass man Zeichnen lernen kann, wurde mir erst Jahre später klar, als unsere Azubis Mappenkurse besuchten, um sich für das Grafikdesign-Studium zu bewerben. Bis dahin wusste ich tatsächlich nicht, dass Zeichnen vor allem Handwerk ist – und wie so vieles andere auch – durch Übung erlernt werden kann.

Wie ich meine „Ich-kann-nicht-zeichnen-Blockade“ überwand

Ich weiß leider nicht mehr, wie ich auf das Buch„The Creative License“ von Danny Gregory (Videolink) gestoßen bin. Vermutlich über einen der amerikanischen Blogs, auf denen ich in dieser Zeit regelmäßig unterwegs war. Ich las seine sehr bemerkenswerte Geschichte und legte einfach los:

„Danny Gregory und seine Frau Patti waren noch nicht lange verheiratet. Ihr Baby, Jack, war zehn Monate alt; das Leben war ziemlich gut. Und dann fiel Patti unter eine U-Bahn und war von der Hüfte abwärts gelähmt.

Er lernte, damit umzugehen, indem er sich selbst das Zeichnen beibrachte. Das Ergebnis war eine komplette Veränderung seines Lebens, seiner Prioritäten, seiner Karriere und der Art, wie er die Welt sah.

In handgeschriebenen Kapiteln voller üppiger Aquarellillustrationen bietet Danny den Lesern nun am Beispiel des Zeichnens ein Programm, um sich wieder mit ihrer eigenen kreativen Energie zu verbinden. Er lehrt uns sanft in der Kunst, uns selbst das Scheitern zu erlauben, die Erwartung von Perfektion aufzugeben und unsere Augen für die Schönheit um uns herum zu öffnen. Das Ergebnis ist die Erlaubnis, sich voll auszudrücken und ohne Angst am kreativen Prozess teilzunehmen. Künstler oder nicht, Leser aller Richtungen werden in diesem einzigartigen und wunderschönen Buch Inspiration finden. (Klappentext)

Ich kaufte mir Farben, und ein Skizzenbuch, und begann einfach an zu zeichnen. Genau so, wie er es in seinem Buch beschrieb. Vielleicht hatte mich seine Geschichte angesprochen, weil ich selbst in einer sehr schwierigen Lebensphase steckte. Jedenfalls packte mich ziemlich schnell der Ehrgeiz. Ich wollte wissen, ob ich tatsächlich zeichnen kann.

Und – ja! – Ich konnte zeichnen. Jeder kann zeichnen. Aber dazu später mehr.

Wie das Zeichnen mein Leben veränderte

Von diesem Moment an kam alles aufs Papier – wirklich alles: Tassen, Besteck, Stifte, Möbel, Blumen, Türklinken, Schuhe, Bücher und vieles mehr. Unspektakulärer Alltagskram. Und während ich mich darauf einließ, veränderte sich mein Blick auf die Welt. Ich begann, genauer hinzuschauen. Dinge wahrzunehmen, die mir vorher nie aufgefallen waren.

Aber nicht nur das. Während ich mich auf das Motiv einließ, vergaß ich alles andere um mich herum. Es war magisch, es war Flow. Ich vergaß meine Sorgen, meine Probleme und die damit verbundenen Gefühle.

Natürlich war das auch eine Form von Ablenkung. Gleichzeitig entstand jedoch ein neues Gleichgewicht in meinem Leben. Mehr Leichtigkeit. Mehr Ruhe.

Vielleicht war es auch eine Art von Therapie. Jedenfalls wurde mein Skizzenbuch zu einem visuellen Tagebuch, durch das ich bis heute gerne blättere.

Warum wir glauben, nicht zeichnen zu können

Wenn ich dich frage, ob du mir ein Männchen zeichnen kannst, wirst du vermutlich sagen: „Oh nein! Ich kann nicht zeichnen!“

Stelle ich dieselbe Frage einem Kind, dann bekomme ich das Männchen. Die meisten von uns glauben, dass sie nicht zeichnen können. Dabei ist es eines der ersten Dinge, die jedes Kind mit großer Freude und Selbstverständlichkeit macht.

Spätestens in der Schulzeit geht diese Leichtigkeit verloren. Unsere Bilder werden bewertet – in gut oder schlecht eingeteilt. Sie werden verglichen und beurteilt.

Und irgendwann entsteht der Glaube, nicht gut genug zu sein. Von da an nimmt das Elend seinen Lauf.

Glaub’ nicht alles, was du denkst!

Ich habe tatsächlich fast mein halbes Leben lang geglaubt, dass ich nicht zeichnen kann. Noch schlimmer: Mein Glaube beruhte auf ungeprüften Annahmen – und niemand stellte sie in Frage. Ist das nicht verrückt?

Nachdem ich ein Skizzenbuch nach dem anderen gefüllt hatte, sagte mir irgendwann jemand, dass ich mich damit problemlos an einer Kunstschule bewerben könnte. 😂

Und mein Beispiel ist nur eines von vielen! Es fasziniert mich immer wieder, welche Geschichten wir uns selbst erzählen – und wie sehr sie uns daran hindern können, unser Potenzial zu entfalten.

Die Sache mit dem Talent

Noch einmal kurz zum Thema Talent. Ich bin ja der Meinung, dass wir sehr viel lernen können, wenn die Motivation stimmt und wir bereit sind zu üben.

Am Sprichwort „Übung macht den Meister“ ist schon was dran.

Allerdings glaube ich auch, dass Talent nicht ausschließlich durch Übung entsteht. Wenn ich mit 30 Jahren anfange, Tennis zu spielen, werde ich trotzdem nicht die nächste Steffi Graf werden.

Trotzdem hat sich mein Blick auf Talent grundlegend verändert.

Durch Bücher wie „Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht“ von Malkolm Gladwell und die Biografien erfolgreicher Menschen wurde mir klar, wie groß der Anteil von Übung, Erfahrung und Beharrlichkeit tatsächlich ist.

Heute bin ich überzeugt, dass wir viel mehr lernen können, als wir uns selbst zutrauen. Vorausgesetzt, wir sind bereit, über unsere Glaubenssätze und inneren Blockaden hinauszuwachsen.

Dann können sich völlig neue Möglichkeiten eröffnen.

Gerade das Zeichnen kann dabei ein erstaunlicher Türöffner sein. Weil so viele Menschen fest davon überzeugt sind, dass sie es nicht können. Wer sich trotzdem darauf einlässt, begegnet sehr schnell den eigenen Bewertungen, Zweifeln und Selbsturteilen.

Und genau darin liegt die eigentliche Chance.

Wie wir unsere Glaubenssätze regelrecht sprengen können

Vielleicht wird jetzt klar, warum ich – wenn es thematisch passt – gerne nach dem Motto „Augen auf und durch“ vorgehe.

Weil es manchmal genügt, etwas auszuprobieren, was wir uns bisher nicht zugetraut haben.

Weil eine einzige Erfahrung ausreichen kann, um einen alten Glaubenssatz ins Wanken zu bringen. Und weil wir oft erst im Tun erkennen, dass unsere Ängste, Annahmen und inneren Geschichten gar nicht der Realität entsprechen.

Ich weiß nicht, ob ich eine gute Grafikdesignerin geworden wäre, aber das spielt auch keine Rolle mehr.

Ich habe andere Wege gefunden, meiner Kreativität Ausdruck zu verleihen und in den kreativen Flow einzutauchen. Und inzwischen bin ich sowieso davon überzeugt, dass es keine Kunst braucht, um kreativ zu sein.

Jede Problemlösung ist kreativ. Jeder Gedanke ist kreativ. Und jeder Schritt in der persönlichen Entwicklung ist es ebenfalls.

➡️ Und jetzt du: Welchen Glaubenssatz hast du überwunden? Hinterlasse gerne einen Kommentar.