Warum mir Female Leadership und weibliche Werte wichtig sind

Im Rahmen der Blogparade von Sympatexter hat die liebe Barbara-Mira eingeladen, sich über „Female Leadership“ Gedanken zu machen. Ich weiß nicht warum, aber ich habe Lust, mich mit diesem Thema tiefergehender zu befassen. Bitte wundere dich nicht, dass ich aufs Gendern verzichte. Mir persönlich ist es nicht wichtig und beim Schreiben ist es mir ein bisschen zu anstrengend. Ich hoffe, du kannst damit leben.

Was ist Female Leadership?

Ich hab’s ja nicht so mit diesen Begriffen und musste erst mal Tante Google befragen. Female Leadership geht davon aus, dass Frauen andere Führungsqualitäten haben als Männer. Die klassischen Führungskompetenzen wie Durchsetzungsstärke, Ehrgeiz, Problemlöse- und Analysefähigkeit, Sachlichkeit und Zielstrebigkeit, werden eher Männern zugeschrieben. Warum eigentlich? Vermutlich ist das der Vergangenheit geschuldet, in der viele Frauen im Hintergrund Haus, Hof und Kinder gehütet haben und die Männer arbeiten waren. Die Familienmanagement-Aufgaben der Frauen wurden nicht als Arbeit bewertet und aufgrund des hohen Männeranteils in der Wirtschaft entstand möglicherweise der „männliche“ Blick auf diese – im Grunde geschlechtsneutralen –  Eigenschaften. Frauen dagegen werden eher Eigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Empathie, Einfühlungsvermögen und Kooperationsfähigkeit zugeschrieben.

Geht es vielleicht um „menschliches“ Leadership?

Ich muss gestehen, dass ich alle Eigenschaften – die vermeintlich männlichen, wie auch die weiblichen – nie einem Geschlecht zugeschrieben hatte. Tatsächlich erlebe ich Männer als tendenziell risikofreudiger, aber alles andere finde ich weder „typisch männlich“, noch „typisch weiblich“. Ich kenne Frauen, die „ohne Rücksicht auf Verluste“ und ohne jegliche Empathie unterwegs sind und Männer, die ihr Team mit unglaublich viel Wertschätzung, Empathie und Einfühlungsvermögen führen.

Ich habe ein bisschen Mühe mit „Schubladen“ und Stereotypen. Vielleicht geht es eher um „menschliche“ Werte? Um Werte, die wir im Leadership vermissen? Wir sehen die Ergebnisse des tendenziell „männlichen“ Leadership und stellen fest, dass die „soften“ und kommunikativen Führungsqualitäten fehlen und schreiben sie den Frauen zu. So verstehe ich das zumindest.

Ein Ausflug in meine eigene Geschichte

Meine Mutter und meine Schwiegermutter sind Unternehmerinnen. Meine Mutter eröffnete ein kleines Schreibwarengeschäft, und führte viele Jahre die Druckerei gemeinsam mit meinem Vater. Ich habe sie immer als die eigentliche Macherin – als Geschäftsführerin – erlebt. Sie kümmerte sich um die unternehmerischen Belange, führte die schwierigen Gespräche mit Mitarbeitern, Kunden und Banken. Die Geschichte meiner Schwiegermutter ist etwas anders, aber auch sie war die Macherin im Unternehmen.

Female Leadership im Familienunternehmen

Beide Frauen waren durchsetzungsstarke und zielstrebige Unternehmerinnen und Führungspersönlichkeiten. Das geht gar nicht anders, wenn es um die eigene Existenz geht. Es kann gut sein, dass wir Frauen tendenziell kooperativer sind, allerdings habe ich meinen Vater, zum Beispiel, als weicher und kooperativer erlebt. Meine Mutter war viel klarer und konsequenter in ihren Entscheidungen. Vielleicht fällt es mir deshalb etwas schwer, Eigenschaften einem Geschlecht zuzuschreiben.

Was ich bei männlichen Leadern beobachtet habe

Ich bin eine sehr gute Beobachterin. Ich habe schon in meinem Ausbildungsbetrieb viel über Mitarbeiterführung – über Leadership – gelernt. Mein Chef war ein fairer und sehr menschlicher Unternehmer der alten Schule, mein Ausbilder ein sehr klarer und empathischer Leader und der Juniorchef eine einzige Katastrophe. Mit 22 wurde ich Führungskraft im elterlichen Unternehmen und ich habe das übernommen, was ich gut fand. Alles andere gelassen und zügig die ersten Seminare besucht. Denn der patriarchische Führungsstil war definitiv nicht meiner.

Egal in welchem Unternehmen ich war, ich hatte immer das Glück, die Reaktionen beider Seiten – die der Chefs (ich hatte leider selten Chefinnen) und der Mitarbeiter – zu beobachten. Daraus habe ich unglaublich viel für meine eigene Führungsarbeit gelernt.

Ich hätte gerne als Führungskraft gearbeitet, konnte mir das aber in einem fremden Unternehmen nie richtig vorstellen. Erst recht nicht, als ich für männliche Führungskräfte gearbeitet und das Gerangel um Ziele, Geld und Positionen miterlebte hatte. Ich bin das einfach nicht. Ich weiß nicht, ob das damit zu tun hat, dass ich eine Frau bin und keine Lust auf Grabenkämpfe habe, denn ich kenne einige Männer, denen es ebenfalls auf die Nerven geht.

Leadership und New Work

Mein Vater sagte mal zu mir: „Wir sind doch kein Sozialunternehmen, ich kann doch nicht auf jeden Mitarbeiter individuell eingehen.“. Zu der Zeit hatten wir ungefähr 12-15 Mitarbeiter! Aber mein Vater – so einfühlsam er auch sein konnte – war eine kommunikative Katastrophe. Ich hatte genug Managementbücher gelesen, um zu wissen, wie wichtig die sogenannten „Soft Skills“ sind. Ich war – und bin – fasziniert von New Work. Die Geschichten über menschliche und ethische Unternehmensführung faszinieren mich immer noch, weil sie beweisen, dass viel mehr möglich ist, als wir denken. Und die Ergebnisse sprechen sowieso für sich.

Female Leadership in der Praxis

Dass ich selbständige Unternehmerin bin – und gleichzeitig als Führungskraft arbeiten darf – ist für mich ein Geschenk. Als Mentorin und Führungskraft unterstütze ich Frauen auf ihrem Weg in eine solide Selbstständigkeit im Network Marketing. Female Leadership gibt’s bei mir „live und in Farbe“, denn mein Team besteht zu 100% aus Frauen. Zumindest im Moment.

Leadership im Network Marketing

Leadership wird im Network Marketing anders gelebt, als in klassischen Unternehmen, denn jede von uns ist selbstständige Unternehmerin. Delegation, als klassisches Führungsinstrument, gibt es bei uns zu Beispiel nicht. Und die Duplikation im Network Marketing ist für mich nichts anderes, als „Führen durch Vorbild“ und das ist ein Klassiker im Leadership und für mich schon immer einer der wichtigsten Führungsgrundsätze.

Ich liebe die bunte Mischung im Team. Es besteht aus Frauen jeden Alters und mit den unterschiedlichsten Erfahrungen: Alleinerziehende, Mütter, Unternehmerinnen, Solopreneurinnen, Angestellte usw. Aus dieser Vielfalt entsteht ein unglaublicher Pool an Kompetenzen und die teilen wir großzügig miteinander. Unser Partnerunternehmen ist ein „lernendes Unternehmen“, wieso sollten wir es anders machen? Ich bin eine Scannerpersönlichkeit und als solche sowieso ständig in Veränderungs- und Verbesserungsprozessen.

Die ganzen Machtspiele und das Gerangel um Positionen, wie man sie oft in Unternehmen erlebt, gibt es bei uns übrigens auch nicht. Network Marketing hebelt all das, was wir sonst über Leadership kennen, regelrecht aus.

Meine persönlichen Werte im Leadership

Wie „female“ ich tatsächlich unterwegs bin, und wie viel männliche Strategie ich vielleicht doch noch lebe, kann ich selbst nicht beurteilen. Aber ich kann dir erzählen, wie ich arbeite:

Ehrlichkeit, Offenheit und Vertrauen sind für mich wichtige Werte – auch im Leadership. Gute Zusammenarbeit funktioniert für mich nur so. Entschlossenheit gehört für ich zum Unternehmer*innen Mindset und zur Rolle als Führungskraft ganz selbstverständlich dazu.

Ich arbeite gerne zielgerichtet und effektiv. Sinnfreien Meetings oder ergebnisloses Herumgelabere war noch nie meins. Unsere Meetings sind alles andere als Kaffeekränzchen (dafür nehmen wir uns extra Zeit), außerdem hätten gar keine Zeit dafür. Die meisten Ideen oder Verbesserungen entstehen im gemeinsamen Dialog und wir sind – auch im Team – erstaunlich schnell in unseren Entscheidungen. Ich erlebe Frauen als effektiver in ihrer Arbeitsweise. Vielleicht, weil sie in so vielen unterschiedlichen Rollen unterwegs sind.

Müssen wir über einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander sprechen? Ich weiß es nicht. Für mich – und da spreche ich sicher für alle im Team – ist das selbstverständlich. Selbst kritisches Feedback wird respektvoll und wertschätzend gegeben, ohne dass wir je darüber gesprochen hätten.  Mag sein, dass das „female Leadership“ ist. Ich weiß es aber nicht, denn ich kenne es inzwischen nicht mehr anders.

Eigentlich ist mein Team eine Masterclass, wie man das inzwischen so schön sagt. Allerdings eine selbstorganisierende. Es ist für mich wichtig einen Raum zu schaffen, in dem entstehen darf, was entstehen soll. Aus der Gruppe heraus. Die besten Ideen entstehen im gemeinsamen Tun und Erfahrungsaustausch. Das ist mir enorm wichtig. Das gibt jedem die Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu entdecken und über sich selbst hinauszuwachsen. Ich finde das wunderbar. Genau deshalb macht mir diese Aufgabe so viel Freude. Denn ich glaube, dass in jeder Frau ein unglaubliches Potenzial steckt, das gelebt werden möchte.

Fazit

Durch das Schreiben und das Buch „Jetzt wo ich schon mal nicht tot bin“ der ehemaligen Politikerin Silvana Koch-Mehrin ist das Thema „Female Leadership“ noch mehr in meinen Fokus gerückt. Schauen wir uns in Politik und Wirtschaft um, dann sehen wir immer noch viel zu wenige Frauen in führenden Positionen. Ich frage mich gerade, was es braucht, um die männlichen – und sehr einflussreichen – Seilschaften aufzubrechen.

Mein Mann begleitet männliche und weibliche Führungskräfte in ihrer Arbeit und ich beobachte, dass viele nach neuen Lösungen suchen und bereit sind, an sich zu arbeiten. Leadership ist Persönlichkeitsentwicklung und wenn wir wieder mehr Kontakt mit uns selbst sind, wird sich das Leadership verändern und wieder mehr „female“ werden.

Ob ich Female Leadership lebe? Ich weiß es immer noch nicht. Vielleicht siehst du etwas, was ich nicht sehe, dann freue ich mich über deinen Kommentar. Welche Erfahrungen hast du zum Thema Female Leadership gemacht?

▶️ Weitere Beiträge zur Blogparade von Barbara-Mira Jakob findest du hier

4 Kommentare

  1. Ein schöner Beitrag! Auch ich begleite viele Frauen in Führungspositionen. Doch unabhängig vom Geschlecht, stehen bei mir die Stärken der einzelnen Personen im Vordergrund. Mit meinem Konzept basierend auf eigener Führungskräfte-Expertise und Chinesischer Persönlichkeitsdiagnostik stehen individuelle Stärken im Vordergrund. Dazu gehört auch, als Führungskraft diese Stärken im Team zu erkennen und zu fördern. Aus meiner Erfahrung sind weibliche Führungskräfte da aufgeschlossener;-)

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      Marita Eckmann

      Vielen Dank für Ihren Kommentar, Herr Porcher. Ich stimme Ihnen zu, dass die eigenen Erfahrungen, Stärken und Ressourcen eine große Rolle spielen. Haben Sie eine Idee, warum weibliche Führungskräfte an der Stelle offener sind?

      Herzliche Grüße,
      Marita Eckmann

  2. Führung braucht in meinen Augen beide Qualitäten, männlich und weiblich, unabhängig vom Geschlecht. Wirklich gute Führung entsteht schlussendlich nur aus der eigenen Erfahrung.
    Mit ausschließlichem Wissen aus Büchern bleibt gute Führung wohl nur blanke Theorie.
    Wer sich noch nie Blessuren als Führungskraft geholt hat, wird wohl auch selten seinen Führungsstil hinterfragen und damit sich auch nicht weiterentwickeln. Ich freue mich über die Tendenzen in den Unternehmen, dass immer mehr weibliche Qualitäten anerkennt sind und gelebt werden, ohne die notwendigen männlichen Eigenschaften zu verdrängen.

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      Marita Eckmann

      Das sehe ich ganz ähnlich, liebe Susanne. Danke für Deinen Kommentar. Ich glaube, es geht um menschliche Führung. Dass wir echt, ehrlich und authentisch sind. Als Menschen mit Herz agieren. Und ja, Selbstreflexion ist etwas ganz Wichtiges bei der Führungsarbeit.

      Liebe Grüße, Marita

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